Kämpfer gegen sexuelle Gewalt und Menschenhandel erhalten Friedensnobelpreis

Am 10. Dezember 2018 wurde der diesjährige Friedensnobelpreis in Oslo verliehen. Den Preis haben die irakische Menschenrechtsaktivistin Nadia Murad und der kongolesische Arzt Denis Mukwege für ihre Bemühungen im Kampf gegen sexuelle Gewalt erhalten. Doch wer genau sind die diesjährigen Friedensnobelpreisträger?

Nadia Murad Basee Taha ist eine Überlebende des vom IS verübten Genozids an den Jesiden, einer religiösen Minderheit mit Hauptsiedlungsgebieten im nördlichen Irak und Nordsyrien, im Jahre 2014. Bei einem Überfall der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) auf ihr Heimatdorf in Irak, starben ihre Mutter und sechs ihrer Brüder. Insgesamt verlor sie 18 Familienmitglieder durch den IS. Sie selbst wurde, wie viele andere Jesidinnen, von IS-Anhängern vergewaltigt, versklavt und gefoltert. Drei Monate nach ihrer Entführung gelang Nadia Murad die Flucht in ein Flüchtlingslager, wo sie erfuhr, dass die baden-württembergische Landesregierung Asyl und psychologische Betreuung für 1.000 Frauen und Kinder aus dem Nordirak bietet. Sie bewarb sich erfolgreich für das Programm und reiste 2015 nach Deutschland ein. Seitdem kämpft sie öffentlich für die Anerkennung des Völkermords an den Jesiden und setzt sich für eine internationale Strafverfolgung des IS ein. Immer wieder erzählt sie von ihrer Geschichte und fordert die Welt dazu auf, nicht tatenlos zuzusehen. Sie berichtet, dass Frauen und Kindern im IS als Geschenke untereinander ausgetauscht werden. „Ich flehe sie an, den IS zu vernichten. Ich habe grausame Qualen erlitten. Ich habe gesehen, was sie Jungen und Mädchen angetan haben. All jene, die diese Verbrechen begehen, von Menschenhandel bis Völkermord, müssen Gerechtigkeit erfahren. Alle Verbrechen gegen Frauen und Kinder in Syrien, im Irak, in Somalia oder Nigeria müssen ein Ende finden. Überall auf der Welt, so schnell es geht“, sagte sie in ihrer ersten Rede vor den Vereinten Nationen im Saal des UNO-Sicherheitsrates. Seit September 2016 ist Nadia Murad Sonderbotschafterin für die Würde der Überlebenden von Menschenhandel. Sie ist die stärkste Stimme der vielen jesidischen Opfern. Im Dezember 2016 erhielt sie gemeinsam mit der jesidischen Menschenrechtsaktivistin Lamija Adschi Baschar den von der EU verleihenden Sacharow-Preis für geistige Freiheit.

Denis Mukwege ist ein kongolesischer Gynäkologe, sowie Gründer und leitender Chirurg des Panzi-Hospitals in Bukavu, einer Stadt in der Demokratischen Republik Kongo. Das Hospital ist bekannt dafür, dass Denis und seine Kollegen Frauen und Mädchen aus der ganzen Provinz, die der aus den dort stattfindenden Bürgerkriegen resultierender sexueller Gewalt schutzlos ausgeliefert sind, behandeln. Im Zeitraum von 1998 bis 2013 operierten die Angestellten des Panzi-Hospitals 40.000 vergewaltigte Frauen. Denis Mukwege ist nicht nur ein Gynäkologe, sondern auch ein Menschenrechtsaktivist. Er dokumentiert die Grausamkeiten, die er zu sehen bekommt und benennt öffentlich die Verantwortlichen. In seiner Rede vor den Vereinten Nationen im Jahre 2012 rief er auf, sexualisierte Kriegsgewalt eindeutig zu verurteilen und die Vergewaltiger vor Gericht zu bringen. Er machte auch die Regierung der DR Kongo an den Vergewaltigungen mitverantwortlich. Kurz danach entging er knapp einem Mordanschlag. Im Jahre 2014 bekam er, wie Nadia Murad zwei Jahre nach ihm, den Sacharow-Preis für geistige Freiheit. Neben dem Sacharow-Preis erhielt er zahlreiche andere Auszeichnungen wie z.B. den Menschenrechtspreis der Vereinten Nationen, der alle fünf Jahre am 10. Dezember, dem internationalen Tag der Menschenrechte, verliehen wird.

Für Opfer von sexueller Gewalt und Menschenhandel ist es nicht selbstverständlich, ihre Geschichte zu erzählen, wie es Nadia Murad tut. Es ist auch nicht selbstverständlich, sein eigenes Leben zu riskieren, um das Leben anderer zu retten und die Wahrheit ans Licht zu bringen, wie es Denis Mukwege und viele Andere tun. Obwohl das, was den Opfern widerfahren ist, nie wiedergutgemacht werden kann, können sie wenigstens einen minimalen Trost darin finden, dass sie gehört werden und sich jemand für sie einsetzt.

Es ist bedauernswert und traurig, dass Menschenrechte nicht überall auf der Welt anerkannt werden und gelten. Viele Menschen unterschiedlichster Altersgruppen auf der Welt haben keine Grundrechte. Viele Menschen werden aufgrund ihrer Sexualität, ihres Geschlechts, ihrer Herkunft oder ihrer Religion diskriminiert. Viele Menschen sind Opfer von sexueller Gewalt, Krieg und Menschenhandel. Wir in Deutschland haben Grundrechte, da ist man sich oft nicht bewusst, dass viele Menschen sie nicht haben. Bei uns gibt es auch weniger Diskriminierung und sexueller Gewalt als in den meisten anderen Ländern dieser Welt, doch auch hier ist es ein Tabu-Thema, über das dringend mehr gesprochen werden sollte und gegen das etwas getan werden muss. Zum Glück gibt es Leute, wie die diesjährigen Friedensnobelpreisträger, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Welt an die miserable Lage vieler ihrer Bewohner zu erinnern, den Menschen in Not eine Stimme zu geben und ihnen zu helfen.

[von H. Ajdin, 9d]

1 Kommentar

  1. Frederik

    Man denkt immer, dass es heute keine Völkermorde mehr
    gibt. So sehe ich das mit Nadia Murad …
    Und ich dachte, man wäre intelligent genug um so was zu vermeiden. Die Menschen sollten aus ihren Fehlern lernen.

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