Der langjährige Kampf

Schon seit über einem Jahrhundert kämpfen Frauen für ihre Gleichstellung mit Männern, doch diese ist immer noch nicht vollkommen erreicht worden. In diesem Artikel findet ihr das Wichtigste, was über die vielen Jahre durch die Frauenbewegung in Deutschland passierte und das, was Frauen heute noch schaffen möchten.

 

Das Frauenwahlrecht

In Deutschland ist es heute selbstverständlich, dass Frauen wählen und gewählt werden dürfen. Doch dieses Recht stand den deutschen Frauen erst 1918 nach dem Ende des ersten Weltkrieges zu. Da das Ende des Weltkrieges und die Einführung des Frauenwahlrechts zeitlich eng beieinander liegen, schien es für viele so, als hätte der verlorene Krieg das Frauenwahlrecht in Deutschland ermöglicht. Jedoch haben sich schon Jahre davor deutsche Frauen für ihr Recht ausgesprochen und sich für dessen Einführung eingesetzt. Die Auseinandersetzung um das Frauenwahlrecht begann bereits in den 1840er Jahren. Während der 1848er Revolution forderten die ersten Frauen in Deutschland eine Ausweitung des Wahlrechts. Später im Jahre 1891 hatte bereits die SPD als einzige Partei das Frauenstimmrecht in ihr Wahlprogramm aufgenommen. Dann, am Anfang des 20. Jahrhunderts, wurden die ersten Frauenstimmrechtsverbände gegründet. Auf der 2. Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz 1910 wurde beschlossen, den internationalen Frauentag in jedem Land einzuführen, um für das Frauenwahlrecht zu werben. Der erste Frauentag fand in Deutschland am 19. März 1911 statt und setzte durch Demonstrationen ein starkes Zeichen für die Einführung des Frauenwahlrechts. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges stellte die Frauenbewegung ihre Proteste ein, die sie jedoch 1917 weiterführten. Sie starteten Petitionen, verfassten Sonderschriften und versammelten sich. Die Jahre 1917 und 1918 waren durch den erneuten starken Einsatz für das Frauenwahlrecht geprägt.

 

Internationaler Frauentag

Durch das starke Engagement der deutschen Sozialistin Clara Zetkin fand der erste Internationale Frauentag am 19. März 1911 in Deutschland, der Schweiz, Österreich, den USA und Dänemark statt. Die zentralen Forderungen der Frauen waren das aktive und passive Wahlrecht, gleicher Lohn für gleiche Arbeit und die Festsetzung von Mindestlöhnen. Seit dem Jahr 1921 findet der Internationale Frauentag jährlich am 8. März statt. Einige Jahre später, als Hitler an die Macht kam, wurden u. a. Frauenorganisationen sowie die Durchführung des Frauentages verboten. Der Muttertag wurde zum offiziellen Feiertag erklärt und die Frau auf ihre Rolle als Ehefrau und Mutter beschränkt. Trotz des Verbotes feierten viele den Frauentag, taten das aber nicht auf der Straße in Form von Demonstrationen, sondern feierten ihn im Privaten, indem sie z.B. am 8. März rote Gegenstände „auslüfteten“. Das Zelebrieren des Frauentages wurde zum Merkmal des Widerstandes.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Frauentag in der sowjetischen Besatzungszone wieder eingeführt. In der DDR wurde der Frauentag mehr zu einer sozialistischen Veranstaltung und erst in den 80ern festlicher zelebriert. In Westdeutschland organisierten ab 1948 zwar Sozialdemokratinnen den Frauentag, jedoch verlor er allmählich seine Bedeutung. Erst mit der neuen Frauenbewegung am Ende der 60er Jahre gewann der Weltfrauentag erneut an Bedeutung. Das Jahr 1975 wurde von den Vereinten Nationen zum Internationalen Jahr der Frau erklärt. Zwei Jahre später wurde eine UN-Resolution verabschiedet, die alle Länder darum bat, einen Tag des Jahres zum „Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden“ zu erklären. Die UN organisierte Veranstaltungen zum 8. März, die mindestens seit 1995 jährlich stattfinden.

Heutzutage ist der Internationale Frauentag in über 20 Ländern sogar ein gesetzlicher Feiertag. Auch das Bundesland Berlin machte, als erstes Bundesland in Deutschland, im Februar dieses Jahres den Frauentag zum gesetzlichen Feiertag.

Einige Männer sind nicht froh darüber, dass es den Internationalen Frauentag gibt und fragen: „Wann ist der internationale Männertag?“. Der internationale Männertag ist der 19. November und laut Feministen und Feminist*innen auch jeder andere Tag im Jahr. Feminist*innen sagen, dass Männer momentan höhergestellt sind als Frauen und demzufolge auch keinen Tag brauchen, an dem sie gegen ihre nicht vorhandene Unterdrückung kämpfen.

 

Gender Pay Gap

Als Gender Pay Gap bezeichnet man die Differenz zwischen dem durchschnittlichen Bruttostundenlohn von Frauen und Männern (Geschlechter-Einkommenslücke). Es gibt einmal den unbereinigten und den bereinigten Gender Pay Gap. Der unbereinigte Gender Pay Gap wird vom Statistischen Bundesamt auf der Basis von ca. 2 Millionen Beschäftigten aus allen Branchen und Berufen errechnet. Beim bereinigten Gender Pay Gap (GPG) werden Faktoren, die auf strukturelle Unterschiede bei der Berufswahl, Berufserfahrung oder den geringeren Anteil von Frauen in Führungspositionen zurückzuführen sind. Folglich ist der bereinigte GPG der „unerklärte“ Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen. Der bereinigte Gender Pay Gap beträgt in Deutschland 6% (Stand: 2014) und der unbereinigte 21% (Stand 2018). Der Lohnunterschied (unbereinigter GPG) in Deutschland gehört zu den höchsten in der EU.

Der Gender Pay Gap ist auf vielfältige Gründe zurückzuführen. Frauen sind z.B. in hohen Führungspositionen unterrepräsentiert. Außerdem werden jene Berufe, die überdurchschnittlich von Frauen gewählt werden, unterdurchschnittlich bezahlt. Die Unterbezahlung in „Frauenberufen“ erklären sich viele dadurch, dass diese Berufe häufig unterbewertet sind im Gegensatz zu den männerdominierten Berufen, die eher überbewertet werden. Dass es überhaupt eine geschlechterspezifische Differenzierung in der Wahl des Berufes gibt, lässt sich auf gesellschaftlich geprägte Stereotypen zurückführen. Ein weiterer Faktor der den GPG beeinflusst ist, dass die Versorgung von Kindern, aber auch pflegebedürftigen Eltern und anderen Angehörigen immernoch weit überwiegend von Frauen übernommen werden. Dies lässt sich ebenfalls auf gesellschaftlich verankerte Rollenbilder zurückführen.

 

Equal Pay Day

Der Equal Pay Day markiert symbolisch den geschlechtsspezifischen Entgeltunterschied, der aktuell in Deutschland 21% beträgt. Umgerechnet ergeben sich daraus 77 Tage, die Frauen zum Jahresanfang umsonst arbeiten müssen (21 Prozent von 365 Tagen = 77 Tage). Dementsprechend fand der diesjährige Equal Pay Day am 18. März 2019 statt.

Der Equal Pay Day ist ein Aktionstag und dient dazu, auf den Gender Pay Gap aufmerksam zu machen und seine Ursachen zu besprechen und anzugehen, um damit langfristig die Entlohnungslücke zu schließen.

 

Feminismus von heute und seine Ziele

Foto: Hana Ajdin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Feminismus hat viele Strömungen, aber im Großen und Ganzen sind sich die Meisten einig, dass Feminismus die Theorie von der politischen, sozialen und ökonomischen Ebenbürtigkeit der Geschlechter ist. Feminismus ist der Glauben daran, dass Männer und Frauen die gleichen Rechte und Chancen haben sollten.

Feministen und Feministinnen setzen sich vor allem für folgendes ein:

  • Frauenrechte als Menschenrechte
  • Sexuelle Selbstbestimmung
  • Reproduktive Selbstbestimmung
  • Gleichstellung der Frauen mit Männern; Ebenbürtigkeit aller Menschen

Der Feminismus bekämpft auch traditionelle Rollenbilder und Stereotypen, sowie  jegliche Art von Diskriminierung. Dass Frauen oft als Objekte gesehen und oftmals auch so behandelt werden, möchte der Feminismus stoppen. Ein weiteres, für den Feminismus wichtiges Thema ist auch die große Zahl an (sexuellen) Übergriffen an Frauen, die besonders stark durch die Bewegung #metoo in die Öffentlichkeit gerückt ist.

[von H.Ajdin, 9d]

 

Quellen (Stand vom 24.03.2019):

https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2017/03/PD17_094_621.html

https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2019/03/PD19_098_621.html

http://www.bpb.de/politik/innenpolitik/arbeitsmarktpolitik/187830/gender-pay-gap?p=all

https://de.wikipedia.org/wiki/Internationaler_Frauentag

http://www.bpb.de/geschichte/deutsche-geschichte/frauenwahlrecht/278701/der-kampf-der-frauenbewegung-um-das-frauenwahlrecht

https://de.wikipedia.org/wiki/Equal_Pay_Day

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.