Interview: Seien Sie ehrlich, Herr Christ … lästern Lehrer manchmal über ihre Schüler?

Ausgabe 1– 27. Oktober 2021 im SV-Raum

Im Interview spricht Verbindungslehrer Dominik Christ unter anderem über seine Schulzeit, wie er seine Kaffeepausen verbringt und über den Schimmel im SV Kühlschrank.

Herr Christ, jeder an der Schule kennt Sie, dennoch weiß man eigentlich kaum etwas über Sie als Person. Daher stellen wir Ihnen jetzt ein paar Fragen, die uns Schüler interessieren.

Welche Fächer unterrichten Sie?

„Aktuell unterrichte ich an der Freiherr-vom-Stein-Schule, Informatik und Politik & Wirtschaft. Ich bin momentan wieder im Vorleistungskurs Politik & Wirtschaft eingesetzt. Nachdem mein letzter Leistungskurs, im letzten Abi-Durchgang, einen Schnitt von 13 Punkten im Abitur erreicht hat, hängt die Messlatte wieder hoch. Abgesehen von dem Vorleistungskurs, unterrichte ich natürlich auch andere Klassen, von der 5. bis zum Abitur.“

*Kurze Pause*

„Dahinten ist der Kühlschrank zu. Den müsst ihr offen lassen, wenn er ausgeschaltet ist … der schimmelt sonst! Auch wenn er nicht angeschlossen ist, schimmelt er. Ich habe das Ding schon einmal mit dem letzten Schulsprecher und seiner Stellvertreterin im Lehrergarten putzen müssen. Gut, also lasst mal bitte den Kühlschrank immer auf, wenn er nicht benötigt wird, denn das war damals … sehr eklig.“

Und warum genau diese Fächer?

„Informatik und PoWi sind neben Mathematik Fächer, die mich schon immer interessiert haben, auch als Schüler. Ich denke die sind natürlich auch für jeden Schüler wichtig, denn davon sollte man ab einem gewissen Alter etwas Ahnung haben.“

 Wie lange unterrichten Sie schon?

„Ich unterrichte mittlerweile seit 7 Jahren an der Freiherr-vom-Stein-Schule und habe vorher 21 Monate lang während meines Referendariats an meiner Ausbildungsschule unterrichtet.“

Wissen Sie noch, aus welchem Grund Sie ausgerechnet Lehrer geworden sind? Die meisten Schüler wollen nach ihrem Abschluss nie wieder an die Schule denken, geschweige denn in einer arbeiten.

„Ich bin schon immer gerne in die Schule gegangen und seit der 7. Klasse stand mein Berufswunsch eigentlich fest. Ich wollte seitdem Lehrer werden. Es macht mir viel Spaß, anderen Leuten etwas beizubringen, um dann zu sehen, dass sie es anwenden können, damit arbeiten und hoffentlich erfolgreich sein. Aktuell haben drei Schüler meines Informatikkurses am Wettbewerb Künstliche Intelligenz teilgenommen und  sind unter den zehn besten Teilnehmern mit Ihrem Aussprachetrainer zur Siegerehrung eingeladen.“

 Was macht Ihnen an Ihrem Job am meisten Spaß?

„Natürlich zu sehen, wenn Schüler vor einer großen Hürde stehen. Sie bekommen die Aufgabe nicht gelöst, können mit dem Problem nicht umgehen oder haben erst mal einige Fragen. Schülerinnen und Schüler müssen an ihrem jetzigen Standpunkt abgeholt und dann adäquat in das Curriculum eingebunden werden.  Sie dann durch meinen Unterricht dorthin zu bringen, dass sie die Aufgabe eigenständig lösen oder eben neue Fähigkeiten und Kompetenzen wirklich anwenden können, freut mich am meisten. Im letzten Jahr waren wir Schulsieger beim Planspiel Börse und haben sogar 500€ für die Schule gewonnen.“

 Würden Sie den Weg „Lehrer“ noch einmal einschlagen, wenn Sie könnten?

„Auf jeden Fall! Lehrer zu sein, ist nach wie vor mein Traumberuf und er erfüllt mich tagtäglich!“

 Hatten Sie schon mal ein schlechtes oder peinliches Erlebnis als Lehrer?

„Etwas Peinliches in der Schule? Ne, das hatte ich noch nicht.“

 Wurde Ihnen schon einmal ein Streich gespielt?

„Ne, Streiche spielt man mir nicht. Lieber spiele ich den Schülerinnen und Schülern Streiche, hahaha.“

 Haben Sie selbst als Schüler Streiche gespielt?

„Joa, das haben wir ab und zu mal gemacht.“

 Was waren Ihre Lieblings- und Hassfächer?

„Lieblingsfächer, natürlich Informatik, ganz wichtig! Dicht gefolgt von Politik & Wirtschaft und Mathematik. Hassfächer, naja gut, Hassfächer würde ich das jetzt nicht nennen. Ich würde eher sagen, das ist ein Fach, welches ich nicht so gerne mochte, was mir auch schwer fiel und das war Französisch.“

 Welchen Satz von Ihren Lehrern, haben Sie gehasst, wie zum Beispiel „Der Lehrer beendet die Stunde und nicht die Klingel!“, den Sie heutzutage vielleicht sogar selbst sagen?

 „Nö, eigentlich keinen. Wir geben immer Vollgas und haben keine Zeit für solche Dinge, denn das Abitur ruft!“

 Waren Sie zu Ihrer Schulzeit ein guter Schüler und was war Ihre schlechteste Note?

„Ich war schon immer ein relativ guter Schüler. In einer Französischarbeit hatte ich auch schon mal eine 5 geschrieben, aber so die schlechteste Zeugnisnote, die ich hatte, war eine 3.“

 Glauben Sie, Sie würden heute nochmal Ihr Abi schaffen?

„Ja, auf jeden Fall. Das breitgefächerte Wissen von damals könnte ich heute noch spontan abrufen und auf Papier bringen“

 Würden Sie in der heutigen Zeit, gerne als Schüler die FVS besuchen?

„Ja natürlich. Es ist eine tolle Schule, wir haben eine hervorragende Ausstattung, ein modernes Gebäude und neue Computer. Jeder Schüler hat den Luxus, dass er im Computerraum, an einem eigenen Computer sitzen kann. Zu meiner Schulzeit mussten wir uns zu dritt einen Computer teilen.“

 Welche drei Adjektive bzw. Wörter beschreiben Sie?

„Immer gut gelaunt, immer hungrig und top vorbereitet.“

Sie sind ja einer von wenigen Informatiklehrern an unserer Schule. Haben Sie dadurch mehr Arbeit? Und was sind Ihre Aufgaben, neben dem Unterricht?

„Ja, viel Arbeit habe ich zusammen mit Hr. Wälde. Wir sind gemeinsam die IT-Beauftragten der Freiherr-vom-Stein-Schule und kümmern uns um sämtliche Probleme mit der EDV. Vor allem um den Vertretungsplan von Herrn Becker, Beamer, Bildschirme und Computer ohne Ton oder Bild sowie Drucker, die nicht so funktionieren, wie es von ihnen erwartet wird.“

 Wenn Sie ein weiteres Fach in den Lehrplan hinzufügen könnten, welches wäre es und was würde man in diesem lernen?

„Ein weiteres Fach für den Stundenplan? Ich persönlich, hätte gerne wieder die Technik AG und meine I am Mint AG. Das waren zwei Veranstaltungen, die die Schüler immer extrem gerne besucht haben. Bei der Technik AG lag der Fokus auf der Praxis von EDV-Problemen im Alltag und die I am Mint AG war eine sehr wichtige Mischung aus Politik & Wirtschaft sowie dem Einblick in Betriebe und deren Berufsbilder sowie Karrierechancen. Dies fanden die Eltern besonders wichtig und durch meine gute Vernetzung waren wir in zahlreichen namhaften Betrieben unterwegs und bekamen exklusive Führungen, die sogar bei den Abiturveranstaltungen mehrmals erwähnt wurden.“

Mit welchen Lehrern verbringen Sie immer Ihre Pausen?

„Das ist unterschiedlich. Eigentlich mit fast allen, die in meiner Nähe sind. Es gibt niemanden, mit dem ich meine Pausen nicht verbringen möchte. Kollegialität und Teamfähigkeit sind meine Stärken“

Seien Sie ehrlich: Lästern Lehrer manchmal über ihre Schüler?

„Ich würde dies nicht als Lästern bezeichnen, aber man tauscht sich natürlich kollegial im Lehrerzimmer aus. Über Klausuren, die man geschrieben hat, um einen Vergleich mit seinen Kollegen zu ziehen, z.B.  ob die Arbeit vielleicht zu schwer war, die ich der Klasse gestellt habe oder ist die Klasse bei anderen auch etwas lauter während des Unterrichts. Natürlich stehen solche Gespräche auch auf der Tagesordnung.“

In welchem Alter finden Sie uns Schüler am nervigsten bzw. anstrengendsten?

„Zurechtkommen muss man mit Schüler*innen immer, egal wie alt sie sind, aber am schwierigsten sind die 7. Klassen. Das sind die Klassen, bei denen die meisten Mäppchen auf den Boden fallen oder mal ein Blatt fehlt und quer durch den Raum nach einem neuen Blatt oder der Tintenpatrone gefragt wird. Und nicht zu vergessen, die Pubertät …“

Haben Sie Lieblingsschüler?

„Ich mag alle meine Schüler gleich gerne!“

Was macht einen guten Lehrer aus?

„Das ist eine gute Frage. Natürlich sollte ein Lehrer sich über die aktuellen Themen informieren. Er sollte auch mit seinen fachlichen Kompetenzen up to date sein, um einen bestmöglichen Unterricht anbieten zu können. Die Schüler können diesen Unterricht dann später aufgreifen und ihr erworbenes Wissen sowie die Kompetenzen direkt im weiteren Berufsleben oder beim Studium anwenden und darauf zurückgreifen.“

 Wie sollte Ihrer Meinung nach das Verhältnis zwischen dem Lehrer und den Schülern sein?

„Ein Austausch und gute Kommunikation ist immer wichtig, sowie auch ein gutes Lehrer-Schüler-Verhältnis. Trotz allem ist ein Lehrer eine Respektsperson, vor dem man als Schüler Respekt haben sollte, genauso wie ich auch vor meinen Schülern Respekt habe und dementsprechend genauso auch auf die Leute zu gehen, wie ich es auch mir gegenüber erwarte.“

Haben Sie vor, sich dieses Jahr erneut als Verbindungslehrer aufstellen zu lassen?

„Ja, aktuell bin ich noch Verbindungslehrer mit meiner Kollegin Frau Gilsdorf. Wir versuchen die Schülerinnen und Schüler bestmöglich bei ihren Problemen zu unterstützen und das würde ich natürlich auch weiterhin gerne machen. Gemeinsam sind wir stark und freuen uns auf die von uns geplante SV-Fahrt.“

 Wie stehen Sie zu der Corona-Impfung und diesem Thema im Allgemeinen?

„Corona-Impfungen sind wichtig und ich bin schon das 3. mal geimpft. Ich selbst habe auch ehrenamtlich im Impfzentrum Frankfurt in der Festhalle jeden Sonntag geimpft. Das war mein persönlicher Beitrag, um gegen die Pandemie anzukämpfen. Auch Kolleginnen und Kollegen sowie ehemalige Abiturienten waren plötzlich in meinen Impfkabinen und wurden professionell betreut und versorgt.“

 Und zu guter Letzt: Wie haben Sie das Homeschooling empfunden?

„Ja das Homeschooling war für mich eine sehr arbeitsintensive Zeit gewesen, vor allem im ersten Lockdown, als wir uns alle auf meine ILIAS-Lernplattform verlassen haben. Da hatte ich am Tag jede Menge Emails. Ich glaube an einem Tag war mal die höchste Anzahl an Emails 800 Stück und dementsprechend hatte ich auch eine relativ lange Arbeitszeit von ca. 15 Stunden pro Tag. ILIAS ist ja dann mit der Zeit immer mehr gewachsen und beliebter geworden. Wir waren eine der ersten Schulen in Frankfurt, die auch ein virtuelles Klassenzimmer hatte, den integrierten BigBlueButton. Das hat auch alles durch meine fachlichen Kompetenzen hervorragend funktioniert und war sehr beliebt und bekannt. Unsere Schule war mit ILIAS Gesprächsstoff von Frankfurt in den Taunus und über die Stadt bis in den Kreis Offenbach und sogar bis in den Schulamtsbezirk des Main-Kinzig-Kreises.“

 

Wir haben jetzt noch 6 Entweder-Oder-Fragen für Sie:

Informatik oder Powi?

„Beides gleich gerne.“

Abschreiben oder selber lernen?

„Natürlich selbstgelernt, verstanden und angewendet.“

Neue Schulpullis oder die alten behalten?

„Ich werde den alten Pulli weiterhin anziehen und den neuen Pulli natürlich auch.“

Neue Lehrerfotos oder die alten hängen lassen?

„Lieber neue Fotos.“

iPads in der Schule oder lieber nicht?

„Ich bin grundsätzlich ein Freund davon, aber um Tablets sinnvoll anwenden zu können, benötigt man auf jeden Fall WLAN.“

Lebenserfahrung oder Bildung?

„Beides gleich wichtig.“

 

Wir bedanken uns bei Hr. Christ für das tolle interview und hoffen das ihr Neues über ihn herausfinden konntet.

Die zweite Auflage der Lehrer-Interview-Reihe findet mit Frau Rostasi statt.

 

Das Interview wurde von Vivian Jung(10d) und Alida Gentner(10d) geführt.

4 Kommentare

  1. Laura

    Sehr interessant, freue mich schon auf das nächste Interview mit Frau Rostasi!
    🙂

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  2. Lea

    Sehr interessant, freue mich schon auf das nächste Interview mit Frau Rostasi!
    🙂

    Antworten
  3. :-)

    Ein sehr schönes Inteview:-) War sehr informativ!

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  4. :-)

    Super Interview:-) Es war sehr informativ

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